99 Himmel – Spiegel von Macht und Zärtlichkeit

Filmische Impressionen zu einer Weissagung aus dem Altai

Im Jahr 2012 boten sich mir im Rahmen meines fünfzigsten Geburtstages einige Herausforderungen. Am „Frauenhof im Allgäu“, meinem paradiesischen Lebens- und Wirkensort, war nach magischen sieben Jahren alles perfekt. Ich hatte mehrfach versucht, etwas zu verändern, doch das war nicht nötig. Ich war angekommen und schon wurde ich unruhig.

Da bekam ich die Möglichkeit zu einer sechswöchigen Reise in die Mongolei, die ich zudem filmisch dokumentieren durfte. Viele Jahre war ich nicht mehr gereist und noch niemals so weit. In meinem Frauenhof lebte ich meine eigenen Werte in einem geschützten Raum. Ich hatte meine Rituale, machte nur, was ich wirklich wollte und wollte, was ich tat.

Die Vorstellung, meine Komfortzone zu verlassen, stresste mich. Ich befürchtete, mich als Teil einer Gruppe nicht mehr zurecht zu finden und ich hatte Angst davor, beim Filmen zu versagen. Aber ich wollte wissen, wer ich ausserhalb dessen, was ich komplett selbst bestimmen konnte, bin und sagte zu.

Es wurde eine faszinierende Reise und ich brachte viele Stunden Filmmaterial mit. Nur wusste ich nicht, was ich damit machen sollte. Viel Weite, viel Nichts, viel Himmel, viel Steppe, viel Schnee. Viele Tiere, wenig Menschen und einige Jurten.

Während der gesamten Reise fragte ich mich, warum wir dort sind. Was war hier das Thema? Was passiert, wenn Menschen und Räume zusammenkommen? Wie kann ich dieses gaiamantische Thema filmisch umsetzen? Mir fiel nichts dazu ein und so sammelte ich unbegrenzt unzählige Bilder und Szenen.

Erst im Zeitraum zwischen der ersten Tour durch das Altai im Westen des Landes und der zweiten Tour durch den Osten fand ich meinen Roten Faden für die Reise und für den Film. Wir hatten ein paar Tage Zeit in einem Hotel in Ulaanbaatar und ich blätterte in einem kleinen Büchlein: „Der altaiische Bilik“ von N.A. Schodojew, R.S. Kurtschakow und Ursula Kallhammer (Books on Demand ISBN 3-8334-4999-3).

In diesem Büchlein entdeckte ich eine uralte Weissagung aus dem sibirischen Altai, die mich stark berührte, da ich einiges in ihr wiederfand, wofür ich keinen Ausdruck hatte. Der Knoten in mir war geplatzt und ich verstand, was ich gefilmt hatte:

Alles war durchdrungen von mächtiger Kraft und diese Kraft schien auf hingebungsvoller Zärtlichkeit und Verbundenheit mit allem zu gründen. Oder war es anders herum? Alles war durchdrungen von hingebungsvoller Zärtlichkeit, die auf mächtiger Kraft zu gründen schien. Egal. Macht und Zärtlichkeit verbanden sich hier zu einem weiten Herzensraum in dem auch Geist und Intuition nicht mehr voneinander zu unterscheiden waren.

Ich hatte Gute Orte gefilmt und friedvolle Menschen. Die alte Weissagung in dem kleinen Heftchen sprach von der Suche nach der Wahrheit und dem Paradies. Sie wies gleichzeitig darauf hin, dass diese Suche unnötig geworden ist, da die strahlenden Menschen aus dem reinen Land, die das Weltgeschehen hin zum Frieden lenken, bereits längst unauffällig zu uns gekommen sind.

Ich wollte in irgendeiner Weise meine Aufnahmen von Macht und Zärtlichkeit mit der Aussage der Weissagung zusammenbringen. Was ich im Aussen als Macht und Zärtlichkeit gesehen und gefilmt hatte beschreibt die Weissagung als das Innere der Krieger des Lichts. Es ist das, was wir alle in uns tragen, entdecken können und was uns zur Liebe befähigt.

Aus dem Booklet

Wo liegt Atlantis? Wo finde ich Shambhala, wo Avalon oder Lemurien, wo den Nabel der Welt, wo das Paradies und wie gelange ich dort hin?

Der weltumspannende Urmythos von einem reinen Land erleuchteter Wesen und Krieger und Kriegerinnen des Lichtes begleitet die Menschheit seit ewigen Zeiten, ebenso wie die Suche danach.

99 Himmel – Spiegel von Macht und Zärtlichkeit zeigt, dass unsere Suche nach dem heilen Ort irgendwo auf der Welt ausserhalb von uns selbst ein Ende haben darf.

Die Faszination vom Altai spiegelt uns unsere Faszination von uns selbst. Die Liebe zum Altai spiegelt uns unsere Selbstliebe. Der Film lädt dazu ein, die Liebe zum Lebensmotto werden und weit über sich selbst hinaus erstrahlen zu lassen.

Wenn wir uns von Herzen öffnen entdecken wir in vielen Menschen das leidenschaftliche Streben nach Liebe, Weisheit, Frieden, nach Mitgefühl und der einen Wahrheit. Wir erkennen unsere Verbundenheit und erleben Heimat, wenn wir vielleicht auch nicht die gleiche Sprache sprechen.

Mit jedem Schritt setzen wir unseren Fuss auf die erstaunliche Erde, auf der wir alle leben und die uns gemeinsam trägt. Auch aus der Verbindung mit ihr erfahren wir uns selbst im Spiegel der Themen und Kräfte der Orte, für die wir uns geöffnet haben.

Viele Menschen suchen im Altai die Freiheit, doch allein die Tatsache, dass es keine Zäune gibt lässt uns wahre Freiheit nicht erfahren. Was finden wir also stattdessen, was fasziniert uns an dieser Weite, an der Schönheit, dem Verständnis und Umgang mit Zeit, Kraft und Raum? Was in uns erkennen wir im Spiegel der 99 Himmel?Tanja von Heintze hat auf einer Reise in diesem faszinierenden Gebirge eine Antwort auf ihre Fragen gefunden: Macht und Zärtlichkeit scheinen sich in einer wundervollen Verbindung hinter allem zu verbergen und alles lädt die Suchenden ein, diese erhabene Verbindung auch in sich selbst zu erfahren.

99 Himmel – Spiegel von Macht und Zärtlichkeit kombiniert in grosser Langsamkeit aktuelle Szenen einer intensiven Reise im mongolischen Altai mit einer Weissagung aus dem sibirischen Altai. Aufnahmen einer burjatischen Schamanin verbinden sich mit denen einer deutschen Körpertherapeutin in einer gemeinsamen Zeremonie. Traditionelle mongolische Klänge münden in spirituelle europäische Lieder.

Vielleicht erleben die Betrachtenden durch das Eintauchen in die Weite der Bilder, Szenen, Töne und Worte Momente innerer Wahrheit, die es ermöglicht, sich gegenseitig zu erkennen um gemeinsam das Goldene Zeitalter zu wirken.